Ein Stangenwald mit künftiger Doppelfunktion

  31.07.2020    TSV Schmiden
Der neben dem Schmidener Stadion angesiedelte Hochseilgarten des TSV ist schon seit längerer Zeit verwaist. In Kombination mit einem Bikepark soll er bald neu belebt werden.

Schmiden - Das Gras rund um die 16 aus robustem Douglasienholz bestehenden und bis zu 13 Meter hohen Pfähle erreicht insektenfreundliche Höhen. Die Grillstelle unmittelbar daneben hat offensichtlich schon längere Zeit keine Glut gesehen.

Orange-weiße Bänder auf dem Gelände markieren die mögliche Bahn für einen Bikepark

Kein Zweifel: Im Hochseilgarten des TSV Schmiden herrscht derzeit Stillstand. Der Grund dafür ist ebenso einleuchtend wie tragisch: Der allseits beliebte und in seinem Verein umfänglich engagierte Rainer Rückle, der mit seiner Firma das Vorzeigeprojekt betrieben hat, ist am 6. September 2019 an einer schweren Krankheit verstorben. Seither fand neben dem Schmidener Stadion nur noch ein lange vorgebuchter Kindergeburtstag statt, und der TSV Schmiden ist auf der Suche nach einem neuen Betreiber. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat die Suche zuletzt erschwert, aber Ideen dafür, wie es weitergehen soll, gibt es zahlreiche.

Orange-weiße Bänder auf dem Gelände markieren die mögliche Bahn für einen Bikepark. Die Idee dafür stammt von Marc Sanwald, dem Chef des Activity-Racing-Teams und Abteilungsleiter der Radsportabteilung des TSV Schmiden. Weil der Vielseitige nicht nur sportliche und organisatorische Expertise vorzuweisen hat, sondern sich als stellvertretender Küchenleiter des Zentrums für Psychiatrie in Winnenden auch mit lukullischen Genüssen und deren hygienischer Darreichung auskennt, war er kurzzeitig als Nachfolger von Rainer Rückle im Gespräch. Der zeitliche Aufwand war dem 48-Jährigen Familienvater dann doch zu groß. Einen Bikepark voranzutreiben, in dem Mountainbiker, Radcrosser, Gravelbike-Fahrer, aber auch Lenker von E-Bikes auf einem 4000 Quadratmeter großen Gelände durch enge Kurven flitzen können, kann sich Marc Sanwald jedoch weiterhin vorstellen.

Auf und um den Bikepark könnten sogar Crossrennen für ambitionierte Sportler stattfinden

Neue Dynamik kam in die Angelegenheit nicht nur mit dem coronabedingten Aufschwung des Radsports, sondern auch mit der deswegen befeuerten Debatte über Mountainbiker auf dem Kappelberg. Unterstützung erfährt Marc Sanwald seitens der Stadt Fellbach. „Einrichtungen wie der Bikepark des TSV geben vor allem Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu lernen, das Sportgerät richtig zu beherrschen, sich mit Freunden zu messen und sich auszuprobieren, ohne andere zu gefährden oder auch wilde Strecken im Wald zu bauen“, sagt die städtische Pressesprecherin Sabine Laartz.

Im Einzelnen schwebt Marc Sanwald ein nur leicht profiliertes Gelände mit kleineren Wellen und Steilkurven vor, die auch von Alltagsfahrern zu bewältigen sind. Andererseits könnten auf und um den Bikepark sogar Crossrennen für ambitionierte Sportler stattfinden. Heimat könnte das Gelände zugleich für eine „Bike-Academy“ sein, die Radlern fahrtechnische Fertigkeiten vermittelt. Speziell die Fahrer von E-Bikes und Pedelecs sind nach Ansicht des Fachmanns beim Bergabfahren mit ihren wattstarken Sportgeräten mitunter überfordert.

Der Hochseilgarten ist für den TSV Schmiden eine Erfolgsgeschichte

Vermitteln will Marc Sanwald zudem rücksichtsvolles Fahrverhalten, was er bereits seit Jahren in seiner Mountainbike-AG der Schmidener Hermann-Hesse-Realschule praktiziert. „Es ist ein Miteinander und kein Gegeneinander“, sagt der Ausdauerathlet über das Verhältnis von Radlern, Wanderern, Jägern und anderen Nutzern der hiesigen Kulturlandschaft. Der Bikepark in Schmiden könnte in mehrfacher Hinsicht zur Entlastung des Fellbacher Stadtwalds beitragen und zudem eine Art Bindeglied für Radfahrer zwischen Stuttgart und dem Remstal bilden. „Die Möglichkeiten für den Bikepark sind ideal“, sagt Marc Sanwald und meint damit die vor Ort bereits bestehende Infrastruktur mit Duschen, Toiletten und anderen Einrichtungen.

Rolf Budelmann, der Geschäftsführer des TSV Schmiden, ist parallel zu diesen Überlegungen weiter auf der Suche nach möglichen Betreibern für den Hochseilgarten. Immerhin ist der Stangenwald in gutem Zustand. „In relativ schneller Zeit wäre er wieder betriebsbereit“, sagt er und verweist auf regelmäßige sicherheitstechnische Überprüfungen. Neben einer Vermietung an eine Fremdfirma wäre auch eine Fortführung in Vereinsregie für den 64-Jährigen vorstellbar. „Wir haben keinen Zeitdruck, denn die Saison ist weitgehend rum“, sagt Rolf Budelmann.

Der am 1. Mai 2006 eröffnete, Kletterparcours wurde komplett von Sponsoren finanziert

Immerhin ist der Hochseilgarten für den TSV Schmiden eine Erfolgsgeschichte, die zugleich für den Ideenreichtum von Rolf Budelmann steht. Der am 1. Mai 2006 eröffnete, gut 100 000 Euro teure Kletterparcours wurde komplett von einem guten Dutzend Sponsoren finanziert. Im Gegenzug erhielten sie Belegungszeiten für die Anlage. Weil außerdem Besuche von Schulklassen und Kletterpartien mit verschiedenen Gruppen, Firmenveranstaltungen oder Kindergeburtstage Einnahmen brachten, ist das Projekt auch in finanzieller Hinsicht ein Erfolg. „Am Anfang war es ein mittlerer fünfstelliger Betrag pro Jahr, später ein niedriger fünfstelliger Betrag für den TSV Schmiden“, sagt Rolf Budelmann. Nachdem der Hochseilgarten zunächst die einzige frei stehende Anlage ihrer Art in der Region war, sind mittlerweile mehrere, meist in Wäldern angesiedelte Bauten entstanden.

Von der Kombination mit einem Bikepark erhofft sich Rolf Budelmann neuen Schwung für den Hochseilgarten. In der nächsten Saison sollen Kletterelemente wie der tote Salamander, der Balance Beam oder der Giant Swing auf jeden Fall wieder belebt sein.

Fellbacher Zeitung/Michael Käfer
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