Jürgen Wolf – ein Fußball- und Menschenfreund

  25.03.2019    TSV Schmiden
Sport-Ass der Herzen - Der 62-Jährige vom TSV Schmiden hat ein Sportprojekt für Flüchtlinge organisiert.

Ein bunt gemischter Haufen hat sich einmal in der Woche auf dem Kunstrasenplatz in Schmiden und während der kalten Jahreszeit in der Sporthalle am Schmidener Weg zum Kicken getroffen. Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, aus Nord- und Schwarzafrika, alles in allem rund 50 Männer, nutzten das sportlich-integrative Angebot des TSV Schmiden. Möglich gemacht hat dies Jürgen Wolf, der technische Leiter der Fußballabteilung. Für seinen großen Einsatz in der Flüchtlingsgruppe ist der 62-Jährige am Freitag zum Sport-Ass der Herzen gekürt worden.

Deutsch und Englisch hätten nur wenige gesprochen. „Aber unsere drei Regeln haben alle verstanden: Kein Foul, kein Streit, keine Tätlichkeit.“ Die gelbe und die rote Karte konnte er getrost in der Hosentasche stecken lassen. Als Jürgen Wolf 1994 in den TSV eintrat, in dem seine beiden Söhne Fußball spielten, war er bereits zwei Jahre im Verein ehrenamtlich als Jugendtrainer im Einsatz. Bis 2006 trainierte der gebürtige Cannstatter den Nachwuchs von der F- bis zur B-Jugend und begleitete seine Mannschaften bei insgesamt 1231 Spielen. Von 2010 bis 2013 war er verantwortlicher Herausgeber des Stadionheftes. Seit 2006 ist er im Abteilungsvorstand, als technischer Leiter, Veranstaltungsmanager und Mitglied im Spielausschuss, und ist stellvertretender Vorsitzender im Gesamtverein. In der Jugend kickte Jürgen Wolf beim VfB Stuttgart. „Bis zur B-Jugend, dann kamen andere, die waren besser als ich.“

Eines Tages rief Josef Stark, der Hausmeister des Gustav-Stresemann-Gymnasiums, beim TSV an. Das Sport-Ass der Herzen 2018 fragte an, ob es für die Flüchtlinge, die damals in der Festhalle in Schmiden untergebracht waren, einen Platz zum Kicken gibt. „Daraufhin habe ich mir seine Sportgruppe mal angeschaut und die Gemeinschaftsunterkunft in der Festhalle“, erzählt Wolf. Danach stand für ihn fest, dass er den Menschen helfen will. Mit Rolf Budelmann, dem TSV-Geschäftsführer, entwickelte er ein Konzept – und machte sich auf die Suche nach Sponsoren. Mit Erfolg. „Der VfB hat einen kompletten Satz Trikots, Stutzen und Hosen gestiftet, und auch noch Trainingsanzüge und Sweater für die Betreuer.“

Auch der Württembergische Fußballverband und der Deutsche Fußball-Bund unterstützten das Projekt, das zweieinhalb Jahre lief, derzeit aber auf Eis liegt. „Unsere Fußballer gehen arbeiten und haben keine Zeit mehr zum Kicken. Das ist zwar schade, aber auch schön, denn wir haben unser Ziel erreicht, sie sind integriert und haben Fuß gefasst.“ Sollte sich eine Gruppe fußballbegeisterter Neu-Bürger finden, ist Wolf aber stets bereit, das Projekt zu reaktivieren.

Quelle: Fellbacher Zeitung

Eva Herschmann/Fellbacher Zeitung
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