Gedankenspiele um Hygiene und Abstände

  23.04.2020    activity-Fellbach TSV Schmiden
Fitness - Für Spitzensportler gibt es erste Lockerungen der Einschränkungen wegen des Coronavirus. Die vereinseigenen und privaten Fitness-Studios sind noch geschlossen, die Betreiber machen sich aber schon Gedanken über mögliche Auflagen. 

Rolf Budelmann steht im menschenleeren Freizeit-Sportclub Activity des TSV Schmiden. Der Geschäftsführer hat keine Ahnung, wann in den knapp 5000 Quadratmeter großen Räumen wegen der Corona-Pandemie der Betrieb wieder laufen wird. „Es ist das reinste Kaffeesatzlesen, aber ich bin Optimist“, sagt der 63-Jährige. Bei einem Rückgang der Infektionszahlen kann er sich vorstellen, dass im Mai Individualsport im Freien wieder möglich sein wird. „Im Juni dann vielleicht auch wieder drinnen, natürlich ohne Körperkontakt und mit vielen Auflagen. Und vielleicht können wir noch vor dem Sommer erste Kurse mit reduzierter Teilnehmerzahl anbieten“, sagt Rolf Budelmann, blickt dabei aber mit skeptischem Blick auf die mit Tüchern verhängten Tische im Gastro-Bereich.

Als die Vertreter von Bund und Ländern in der vergangenen Woche über erste Lockerungen in der Corona-Krise beraten haben, haben Amateur-, Breiten- und Freizeitsportler gehofft, dass für sie ein paar Einschränkungen wegfallen könnten. Vergebens. „Auch wir haben das gehofft, aber nicht damit gerechnet“, sagt Rolf Budelmann. In der nächsten Runde am 30. April allerdings, könnte sich der TSV-Geschäftsführer vorstellen, dass tatsächlich erste Erleichterungen beschlossen werden. „Wir gehen davon aus, dass es vom 4. Mai an deutliche Lockerung für Individualsport im Freien geben wird. Das bringt zwar für das Activity erst mal nichts, aber vielleicht können wir draußen was organisieren. Wir planen auf alle Fälle ein mögliches Szenario.“

Der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) ist nicht sonderlich angetan, dass kleineren Geschäften und Friseuren die Wiedereröffnung erlaubt wird, die Studios aber nach wie vor geschlossen bleiben. Der Dachverband mit Sitz in Hamburg vertritt die Interessen von von rund 9600 kommerziellen Betreibern mit einem Umsatzvolumen von mehr als 5,5 Milliarden Euro. Birgit Schwarze, die Präsidentin des DSSV, kritisiert das mangelnde Verständnis für die Bedeutung von Fitnesstraining für das körperliche Wohlbefinden, das Immunsystem und den Abbau von Stresshormonen. „Gerade in Zeiten von Home-Office, Kontaktverbot und Ausgangsbeschränkungen nehmen Bewegungsmangel und negative gesundheitliche Effekte zu – umso wichtiger wäre es deshalb, wenn möglichst schnell wieder viele Menschen von den positiven Effekten durch Fitnesstraining profitieren können.“ Alle seien zudem bereit, jegliche Auflagen zu erfüllen, die das Kraft- und Herz-Kreislauf-Training genauso sicher machen wie das Einkaufen im Baumarkt. Sollte es nicht bald Planungssicherheit geben, wann und mit welchen Vorgaben die Studios wieder öffnen können, drohe der Branche eine Insolvenzwelle, sagt Birgit Schwarze. „Wir brauchen eine Perspektive.“

Einzeltraining an den Geräten könnte sich Rolf Budelmann schon bald vorstellen. Das Activity sei groß genug und biete die Möglichkeit, Trainingsgeräte in Kursräumen unterzubringen, um die Abstände zu vergrößern. „Duschen und Umkleiden bleiben geschlossen, wir richten eine Schuhwechselzone ein, und lassen die Leute unten rein und oben raus, sodass sie sich da auch nicht in die Quere kommen.“ Nicht alles, aber manches sei sicherlich auch mit Masken möglich, etwa im Bereich Reha-Sport, sagt Rolf Budelmann. „Und unsere Mitarbeiter werden natürlich von uns mit Schutzmasken versorgt.“

Auch Gabriel Bieg, der Geschäftsführer des TV Oeffingen, und sein Team bereiten sich auf eine langsame Rückkehr zum sportlichen Treiben vor. „Wir leben im Moment in dem 14-Tages-Rhythmus, in dem Entscheidungen getroffen werden. Aber ich denke, dass am 4. Mai die Tennisplätze wieder öffnen dürfen, dann hoffe ich, dass wir irgendwie Outdoor-Training in Kleingruppen anbieten können – mit viel Abstand auf dem Kunstrasen oder im Schulhof und gerne auch mit Auflagen. Dann bringt halt jeder sein Desinfektionsspray mit.“ Sollte das OeFit im Mai wieder nichts anbieten können, könnte es sein, dass der Verein darauf verzichtet, Gebühren einzuziehen. „Wir denken im Verein derzeit über diese Frage nach. Denn bei einigen Mitgliedern wird der Geduldsfaden langsam dünner, und das finanzielle Polster auch.“Bisher sind die Vereine gut durch die Krise gekommen. „Der Appell an die Solidarität war erfolgreich, wir haben kaum Kündigungen“, sagt Rolf Budelmann. Auch der TVOe profitiere davon, dass „jeder dritte Oeffinger Mitglied ist und der Vereinsgedanke im Vordergrund steht“, sagt Gabriel Bieg. René Marek, Pressesprecher der Spvgg Rommelshausen, spricht ebenfalls von „ganz viel positivem Feedback der Mitglieder“, wie auch Udo Wente, der Geschäftsführer des SV Fellbach. „Die Unterstützung der SVF-Vereinsfamilie in dieser Situation ist einfach super, wir haben so gut wie keine Austritte zu verzeichnen.“

Anders sieht die Situation bei Thomas Röhrle aus, der Fitness-Studios in Fellbach und Waiblingen betreibt. Er hat seit der Schließung seiner Einrichtungen rund 140 Kündigungen erhalten. „Die Einnahmen brechen weg, aber die Kosten für das Leasing der Geräte und die Miete bleiben. Es ist ein finanzielles Desaster.“ Dabei ist Thomas Röhrle überzeugt, dass er seine Studios öffnen und alle erforderlichen Sicherheitsregeln einhalten könnte. „Wir haben genug Platz, um die Geräte weit genug auseinander aufzubauen. Wir arbeiten mit Mundschutz und Desinfektion, und ein Mensch, der Sport treibt, hat sowieso mehr Widerstandskräfte.“ Das Durchschnittsalter derjenigen, die bei ihm an die Geräte gehen, liege in Fellbach bei 45 Jahren, in Waiblingen sogar bei 51 Jahren. „Und die machen bei mir kein Krafttraining, sondern trainieren ihre Gesundheit. Die Studios sind also wichtig für die Gesundheitsvorsorge, und die ist ja wohl systemrelevant.“

Quelle (Text und Bild): Fellbacher Zeitung / Eva Herschmann

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